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Mit der Diagnose IBD und entsprechender Therapie konnte sich Spooky in ein normales Leben zurückkämpfen.

Schon als ganz junger Hund hatte Spooky immer wieder Perioden, in denen er zwanghaft alles gefressen hat, was er fand: Der Border Collie hat Gras verschlungen und Erde, er hat Holztreppen und Fußmatten angenagt und Plastikteile zerkaut. „So ein Verhalten ist typisch für eine IBD“, sagt Tierärztin Lara Ißl, „wenn die Tiere versuchen, ihre Bauchkrämpfe und subtilere Beschwerden zu lindern.“ Denn die chronische Darmentzündung, die in Schüben verläuft, kann mit Koliken, (blutigem) Durchfall, Erbrechen und starken Blähungen oder nach außen auch nur unauffälligem Unwohlsein und Bauchschmerzen einhergehen. Das verringert die Lebensqualität der Tiere immens, wie sehr, fällt vielen Besitzern erst nach dem Ansprechen der Therapie auf.

Doch die Diagnose der Autoimmunkrankheit IBD (Inflammatory Bowel Disease) ist kompliziert, da sie nur im Ausschlussverfahren gestellt werden kann. Denn auch Giardien, Würmer oder Futtermittelallergien können schwere Durchfälle auslösen, müssen aber anders therapiert werden. Sie müssen als Ursache daher ausgeschlossen werden. Bei Verdacht auf IBD geben letztendlich nur eine Magen-Darm-Spiegelung mit Biopsie und eine Ausschlussdiät Sicherheit. Auch Spooky und seine Halterin kämpften mehrere Jahre mit wiederkehrenden Durchfällen, Gewichtsverlust und Futterverweigerung, bis die IBD vor sieben Jahren in der Tierklinik Ismaning im Rahmen einer Darm-Not-OP diagnostiziert wurde. „Das hat ihm damals das Leben gerettet“, sagt seine Halterin. Denn Spooky war bereits auf Haut und Knochen abgemagert.

Auch hinter Max lag ein langer Leidensweg, als er 2020 in der Tierklinik vorgestellt wurde. Immer wieder wurde der Shih Tzu-Mix von schweren Koliken geplagt, verweigerte das Futter. „Ich bin jahrelang von einem Tierarzt zum nächsten gelaufen, ich habe es mit Homöopathie und neuen Futterquellen versucht, doch es wurde nicht besser“, erinnert sich seine Halterin an diese Zeit. Der Termin in Ismaning brachte auch für Max die Wende. Nach Ausschlussuntersuchungen (speziellen Labor- sowie Kotuntersuchungen) und einer Magenspiegelung mit Biopsie stand die Diagnose – und die Therapie konnte beginnen. „Max ging es schlagartig besser“, sagt sein Frauchen.

Auch der kleine Max kann mit richtiger Futterquelle und Cortisontherapie gut leben.

Eine IBD ist zwar nicht heilbar. Aber oft lässt sie sich medikamentös und mit strenger Spezialdiät soweit kontrollieren, dass Vierbeiner wie Spooky und Max noch viele Jahre gut damit leben können. Zu Rückfällen kommt es trotzdem immer wieder. Für die Halter bedeutet das: Sie müssen nach wie vor viel Geduld und Energie aufbringen. Denn sie müssen nicht nur per Eliminationsdiät die richtige Futterquelle finden (Max erhält momentan Känguru). Es kann auch Wochen und Monate dauern, bis ihre Lieblinge medikamentös zufriedenstellend eingestellt sind. Arzneimittel der Wahl ist der Entzündungshemmer Kortison, er hilft die autoimmune Reaktion der Darmschleimhaut herunterzufahren. „Wobei wir mit einer höheren Dosis beginnen und dann langsam bis auf die niedrigste effektive (symptomfreie) Dosis reduzieren“ erklärt Lara Ißl. „Wenn das Kortison nicht weit genug reduziert werden kann ohne dass die Symptome zurückkommen, kombinieren wir mit einem weiteren Immunsuppressivum. Bei Max und Spooky wurde mit Cyclosporin kombiniert und das Kortison langsam auf die kleinste noch wirksame Dosis reduziert.“ Nachteil: Die Tiere haben lebenslang ein potentiell erhöhtes Infektionsrisiko und sollten regelmäßig (mind. jährlich) beim Tierarzt kontrolliert werden. Großer Vorteil: Die Tiere können trotz Erkrankung ein langes glückliches Leben führen.

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