Überspringen zu Hauptinhalt

Ob Not-OP nach einem Autounfall oder stationäre Intensivbehandlung nach einer Vergiftung: Tierarztkosten können unerwartet schnell ins Geld gehen. Doch nicht einmal fünf Prozent der deutschen Hunde- und Katzenbesitzer haben eine Tierkrankenversicherung abgeschlossen, die solche finanziellen Risiken abfedert. Ganz anders in Großbritannien und Skandinavien: Dort liegt die Versicherungsquote bei 65 bzw. 75 Prozent.

Die Folge des mangelnden Versicherungsschutzes: Tierarztbesuche können zu finanziellen Engpässen führen. Wenn sie nicht aufgeschoben werden, weil die Haushaltskasse leer ist. Im schlimmsten Fall müssen Tierhalter abwägen, ob sie sich die notwendige Behandlung für ihren Liebling überhaupt leisten können. Häufiger müssen sie sich zwischen der medizinisch besten, aber kostspieligen, und einer billigeren Lösung entscheiden. Am Beispiel Trümmerbruch wird das besonders anschaulich. „Eine Amputation ist natürlich wesentlich günstiger, als wenn wir mit einer teuren Verplattung und aufwändigen Nachsorge das Bein retten“, erklärt Dr. Felix Neuerer, Inhaber der Tierklinik Ismaning. Eine Tierkrankenversicherung mit OP-Schutz springt hier ein.

So hochentwickelt wie die heutige Tiermedizin ist, hat sie fast schon Humanniveau erreicht. „Ein Haustier wird manchmal sogar besser betreut als ein Kassenpatient“, weiß Chefarzt Dr. Neuerer. Der medizinische Fortschritt hat natürlich seinen Preis. Denn letztlich werden beim Tier die gleichen Diagnose- und Behandlungsmethoden durchgeführt wie beim Menschen. Insbesondere in der Notfallversorgung und bei Operationen haben die Gebühren stark angezogen. Rechnungen in vierstelliger Höhe sind dann keine Seltenheit. So muss man bei einer Gaumensegel-OP heute mit 2.000 Euro rechnen, bei einer TPLO nach Kreuzbandriss mit 2.500 und einer Entfernung eines Gesäugetumors mit 1.200. Auch bei intensivmedizinischen Behandlungen wie der Stabilisierung einer diabetischen Ketoazidose, hohem Fieber oder Fressunlust unklarer Herkunft (die Liste ist lang!) summieren sich die Kosten für Diagnostik und Therapie schnell, dass Besitzer gut daran tun, sich auch finanzielle Limits zu setzen, um sich nicht noch unglücklicher zu machen.

„Wenn ein Patient krankenversichert ist, macht das auch unsere Arbeit angenehmer, weil wir mit dem Halter nicht ständig über Geld reden müssen“, sagt Internist Neuerer. „Wir wollen uns schließlich um das Tier kümmern. Aber so lange der Tierbesitzer die Rechnung aus eigener Tasche bezahlt, müssen wir uns die Kosten für jeden Behandlungsschritt absegnen lassen.“

Stationäre Behandlungskosten können sich schnell summieren. 

Viele Versicherte halten Beiträge stabil

Doch auch die Tierkrankenversicherungen können den medizinischen Fortschritt langfristig nur bezahlen, wenn viel mehr Beitragszahler keine Leistungen in Anspruch nehmen (müssen). Das heißt: Damit die Beiträge nicht explodieren, müssen die Versicherungsquote und damit die Versichertengemeinschaften in Deutschland deutlich wachsen. Irgendwann wird dann vielleicht auch die Behandlung von angeborenen Defekten wie beispielweise Lebershunt oder Hüftdysplasie von den Versicherungen bezahlt und nicht mehr wie heute von den Leistungen ausgeschlossen.

Tiermedizin auf Humanniveau hat ihren Preis. Foto: AdobeStock

Wer eine Tierkrankenversicherung abschließen will, sollte die Leistungspakete verschiedener Anbieter vergleichen. Zu den bekanntesten zählen die Agila, Uelzener, Helvetia und Allianz. „Lesen Sie das Kleingedruckte“, rät Dr. Neuerer. „Denn jeder Tarif hat seine Haken, sprich Ausschlusskriterien.“ Außerdem ist mitunter Eile geboten: Die meisten Versicherungen nehmen beispielsweise nur Hunde bis zum siebten Lebensjahr auf. Beim Ausfüllen des Antrages empfiehlt der Inhaber der Tierklinik Ismaning, die Gesundheitsfragen ehrlich und vollständig zu beantworten. „Wenn der Welpe schon mal Durchfall hatte, sollte man dies eintragen“, sagt er. „Jede zurückgehaltene Information kommt sowieso irgendwann ans Licht, und dann kann das Tier den Versicherungsschutz verlieren.“ Auch die Tierklinik ist den Versicherungen gegenüber zur Auskunft verpflichtet.

Wer meint, besser zu fahren, wenn er jeden Monat die 20 bis 50 Euro für den Versicherungsbeitrag selbst auf die Seite legt, sollte eines bedenken: Mit der ersten OP ist das angesparte Geld weg.

An den Anfang scrollen
×Suche schließen
Suche