24 Stunden Notfallbesetzung und OP-Bereitschaft

Im Notdienst wird nach Dringlichkeit behandelt. Foto: fotolia | DoraZett

Wie in vielen Krankenhäusern arbeitet auch die Notaufnahme der Tierklinik Ismaning zunehmend häufiger an der Belastungsgrenze. „Zu Weihnachten müssen wir binnen 24 Stunden manchmal bis zu 80 Notfallpatienten versorgen“, erzählt Dr. Martina Ascher, die sich mit ihren Kollegen im Bereitschaftsdienst abwechselt. Das Problem: „Nur etwa jeder fünfte Patient im Notdienst ist ein echter Notfall. Alle anderen kommen, weil es zeitlich besser passt oder weil manch ein Tierhalter kein Gefühl dafür hat, was ein echter Notfall ist. Da kann selbst die Zecke im Fell wichtiger werden als ein Hund im Krampfanfall“, sagt die Tierärztin.

Mehrheit der Patienten ist kein Notfall

Das hat Konsequenzen: Das Wartezimmer ist voll mit Patienten, die zwar krank sind, aber keine sofortige medizinische Hilfe benötigen. Mit der steigenden Zahl an Wartenden und der immer länger werdenden Wartezeit nimmt der Stress für die diensthabenden Tierärzte enorm zu, und so ist es oft für sie nicht möglich, eine Pausenzeit einzuhalten. Außerdem ist die Erwartungshaltung der Tierhalter im Notdienst oftmals unrealistisch. Denn gerade bei stets wiederkehrenden Krankheitszeichen wäre es sinnvoller, für das Tier einen Termin bei einem unserer Fachärzte zu vereinbaren. Dr. Martina Ascher: „Wenn ein Tier beispielsweise schon wochenlang Durchfall hat, ist es in der internistischen Sprechstunde besser aufgehoben als Sonntagabend in der Notaufnahme.“

Zu den regulären Öffnungszeiten hat der entsprechende Spezialist genug Zeit für umfangreiche Diagnostik und Therapie und kann in komplizierten Fällen Kollegen anderer Fachbereiche hinzuziehen. Hinzu kommt: Nur wochentags haben auch die Fremdlabore geöffnet, die für die Tierklinik spezielle Untersuchungen durchführen.

Dr. Martina Ascher arbeitet regelmäßig in der Notaufnahme.

Aufgabe unseres Notdienstes ist es, die notfallmedizinische Betreuung für Hunde, Katzen und Heimtiere sicherzustellen. Daher werden echte Notfälle, also Tiere mit akuten Blutungen, Krampfanfällen, instabilem Kreislauf, Vergiftungen und Atemnot, grundsätzlich vorgezogen. „Behandelt wird nach Dringlichkeit“, erklärt Dr. Martina Ascher. Hunde etwa, die durch unproduktives Würgen und aufgeblähten Bauch auffallen, schickt sie sofort zum Röntgen: Verdacht auf Magendrehung. Andere Tiere, die, weil sie einmal erbrochen haben, von besorgten Haltern schwanzwedelnd und munter in die Klinik gebracht werden, rücken auf der Prioritätenliste nach hinten. Keine Lebensgefahr! Sie müssen mit langen Wartezeiten rechnen. Auch wenn dies ärgerlich ist.

Nicht-Notfälle werden symptomatisch behandelt

Was viele Tierbesitzer nicht wissen: Bei Vierbeinern, deren Zustand nicht lebensbedrohlich ist, ersetzt die Notaufnahme meist nicht den erneuten Gang zum Tierarzt. Denn im Notdienst besteht in der Regel keine Zeit, um chronische Krankheitsursachen vollständig abzuklären. Das würde zu viele Ressourcen binden, die dann für Tiere fehlen würden, deren Behandlung keinen Aufschub duldet. Patienten mit weniger ernsten Gesundheitsproblemen werden – wie in der Notfallambulanz der Krankenhäuser auch – symptomatisch behandelt. Je nach Beschwerdebild legt der diensthabende Arzt dann eine Infusion oder verabreicht Schmerzmittel, Kohletabletten oder Antibiotika – und bestellt den Patienten zur weiteren Diagnostik und Behandlung erneut in die Sprechstunde eines unserer Fachtierärzte. „Wenn ein Tier wegen chronischer Lahmheit vorstellig wird, können wir am Wochenende auf ein CT verzichten. Handelt es sich dagegen um eine akute Lähmung wie bei Bandscheibenvorfällen, dann wird das notdiensthabende OP-Team auch nachts mobilisiert, um eine Computertomographie und die unmittelbar anschließende Bandscheibenoperation durchzuführen, die eine Querschnittslähmung verhindert“, erklärt Dr. Martina Ascher.

Echte Notfälle haben im Notdienst grundsätzlich Vorrang. Foto: fotolia | chalabala

Der Personal- und Kostenaufwand als auch die Logistik für den Notdienstbetrieb sind enorm. Für diese Sonderschichten erhalten unsere diensthabenden Tierärzte und Helfer selbstverständlich Zuschläge, die sich in höheren Behandlungssätzen niederschlagen müssen und je nach Aufwand und Uhrzeit das bis zu Dreifache der Gebührenordnung betragen können. Auch bei Futterabholung im Notdienst berechnen wir daher – wie eine ganz normale Apotheke auch – Notdienstaufschläge.

„Wer an Werktagen tagsüber mit einem akut lebensbedrohlichen Notfall in unsere Klinik kommt wird selbstverständlich sofort versorgt. Alle anderen Patienten ohne Termin sollten sich auf Wartezeiten einstellen, bis ein Zeitfenster in der Sprechstunde frei wird“, sagt Dr. Martina Ascher. Denn Kunden mit festem Termin kommen zuerst an die Reihe.