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Röcheln und laute Schnarchgeräusche kündigen sie schon von Weitem an. Immer wieder landen kurzköpfige Hunde mit massiver Atemnot im OP-Saal der Tierklinik Ismaning. Ihre Krankheit, das brachycephale Atemwegssyndrom, ist die Folge gezielter Zucht, die auf einen möglichst kurzen Schädel mit Stupsnase abhebt. Vor allem Rassen wie Mops, Französische und Englische Bulldoggen, Boston Terrier, Shi-Tzu und Pekinesen sind prädisponiert für eine gestörte Atemfunktion, die besonders bei körperlicher Belastung zunehmen kann. Manche Tiere kollabieren sogar regelmäßig. Hitze und Aufregung verschärfen die Symptome und sind nicht selten lebensbedrohlich.

Auch bei unserem Patienten Hektor, einer fünf Jahre alten Französischen Bulldogge, war der klinische Befund charakteristisch: Wegens des verkürzten Rachenraums waren die oberen Atemwege verengt und durch ein zu langes, verdicktes Gaumensegel blockiert. Durch die Nase konnte Hektor wegen seiner verengten Nasenlöcher gar nicht atmen. Die endoskopische Untersuchung zeigte, dass das Gaumensegel beim Einatmen – wie ein schwerer Vorhang, der im offenen Fenster schwingt – immer wieder in die Luftröhre umschlug und sie verschloss. Dieses Flattern erzeugte auch Hektors Atemrasseln, das seit einiger Zeit bereits beim Wechsel von der Sitz- in die Stehposition auftrat, wie sein Halter berichtete. Auch sei der Hund schnell erschöpft: „Zwei Minuten Gassigehen und Hektor braucht bereits eine Pause.“ Besserung versprach nur eine Operation. Andere Therapiemöglichkeiten gibt es in solchen Fällen keine.

Dr. Sarah Kany korrigiert die Engstellen im Nasenrachenraum.

Um Hektor von seiner Atemnot zu befreien, nahm Tierärztin Dr. Sarah Kany chirurgische Korrekturen an den Engstellen im Nasenrachenraum vor. Sie arbeitete dabei mit einer so genannten Faltlappenplastik des weichen Gaumens. Bei dieser modernen Operationsmethode wird im Gegensatz zum herkömmlichen Verfahren (einfaches Kürzen des Gaumensegels) das Gaumensegel selbst nicht verletzt, sondern ein Teil des weichen Gaumens abpräpariert, überschüssiges Gewebe entfernt, nach vorne gezogen und am Gaumendach vernäht. Diese Technik hat den Vorteil, dass das zu dicke Gaumensegel nicht nur gekürzt, sondern auch in seiner Dicke verringert wird, die Narbe in der Maulhöhle vor Rachen und Kehlkopf liegt und nicht am Hinterrand des Gaumensegels.

In einem zweiten Schritt legte Dr. Kany noch Hektors oberen Nasengang frei, indem sie einen Teil der Nasenmuscheln kappte.

Zu Risikopatienten werden die Tiere in der Aufwachphase. Häufig ist bei fortgeschrittener Erkrankung der gesamte Rachen- und Kehlkopfbereich bereits vorher angeschwollen. Nach der Operation schwillt das Gewebe zusätzlich mehr oder weniger stark an, so dass Erstickungsgefahr besteht. Wir sind auf derartige Komplikationen vorbereitet: Unsere Patienten werden postoperativ mindestens 24 Stunden engmaschig intensivmedizinisch überwacht. Narkosebox und Beatmungsschlauch sind zur Sicherheit für die Stationsärzte immer griffbereit. Bei besonders schweren Verlaufsformen öffnen wir für einige Tage die Luftröhre, bis die Schwellung im Rachen abgeklungen ist.

Hektor hat den Eingriff sehr gut überstanden und kann endlich wieder befreit atmen.

 

 

 

 

 

 

 

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