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Sie haben beide in Ihrem Heimatland studiert und anschließend als Tierärztin in Deutschland Fuß gefasst. Was haben Sie als größte Herausforderung gesehen?
Alexandra Maria Duma: Eindeutig die Sprache. Anders als Französisch und Spanisch empfinde ich Deutsch als relativ schwer. Daher habe ich früher lieber andere Fremdsprachen gelernt und konnte bis auf den Kinderreim „1, 2, Polizei, 3, 4, Offizier“ kein Wort Deutsch, als ich wegen meines Freundes hierher gezogen bin. Also habe ich sofort einen Sprachkurs belegt. Die Stelle als „Tierärztin in Anerkennungszeit“ kam für mich daher wie gerufen. Die Tierklinik bietet ja ganz verschiedene Arbeitszeitmodelle an. Wer will, kann zum Beispiel nur Nachtdienste schieben. Ich wiederum arbeite Teilzeit und unterstütze die Ärzte auf Station. So kann ich bereits in meinem Berufsfeld arbeiten und Tiere versorgen. Das ist schön. Andererseits räumt mir die Klinikleitung genug Zeit ein, um mich auf mein B2-Sprachzertifikat vorzubereiten, das ich für die deutsche Approbation brauche. Die Dienstpläne werden wirklich sehr flexibel gehandhabt, eine Schicht zu tauschen ist in der Regel kein Problem.

Georgiana Zacharaki aus Griechenland macht ein Internship in der Tierklinik Ismaning. Foto: www.photogenika.de

Georgiana Zacharaki: Bei mir war es etwas anders. Deutsch war mir nie fremd. Meine Mutter ist in Deutschland aufgewachsen und war, als ich ein Kind war, oft mit mir hier. Daher habe ich bereits als Schülerin mein C1-Zertifikat in Athen gemacht. Ich habe mich zu Beginn eher mit den lateinischen Fachbegriffen schwer getan, die in den Befunden stehen. Denn in Griechenland basieren alle medizinischen Fachausdrücke auf dem Altgriechischen. Da war nicht nur Google eine große Hilfe, auch meine Kollegen haben mir durch ihre Hilfsbereitschaft den Einstieg denkbar leicht gemacht.

Gibt’s in der universitären Ausbildung sonst noch Unterschiede?
Georgiana Zacharaki: Weniger in der Ausbildung als in der Berufsausübung. In Griechenland müssen zum Beispiel Tierbesitzer ihr Tier beim Röntgen selbst halten. In Deutschland machen das ja die Tierärzte und Helfer. Ich habe in der Tierklinik daher als Erstes einen Röntgenschutzkurs besucht.

Ihre in Rumänien bzw. Griechenland erworbene Approbation mussten Sie ja hier durch die Regierung von Oberbayern anerkennen lassen. Gab’s da Schwierigkeiten?
Georgiana Zacharaki: Nun ja: Bis man die Berufserlaubnis in der Hand hält, können schon ein paar Monate vergehen. Bei mir hat sich die Anerkennung verzögert, weil ich zuerst nur Zeugniskopien eingereicht hatte. Das wurde nicht akzeptiert, also musste ich mir die Originale aus Griechenland schicken lassen und hier notariell beglaubigen lassen. Außerdem musste ich mein Diplom – weil es nicht auf Englisch, Spanisch oder Französisch verfasst war – offiziell übersetzen und auch dies beglaubigen lassen. Mein Tipp: Bringt gleich alle Originaldokumente mit nach Deutschland.

Alexandra Maria Duma aus Rumänien überbrückt ihre Anerkennungszeit als Tierarzthelferin. Foto: www.photogenika.de

Alexandra Maria Duma: Trotzdem dauert es einfach seine Zeit, bis man alle Unterlagen zusammen hat. Man muss ja nicht nur Diplom und Geburtsurkunde vorlegen, sondern auch ein polizeiliches Führungszeugnis und eine Erklärung über Straffreiheit im Heimatland. Bei amtlichen Vorgängen müssen selbst EU-Bürger an anderen Stellen mit Hindernissen rechnen. Ich zum Beispiel habe tagelang versucht, bei einer deutschen Onlinebank ein Konto zu eröffnen. Vergeblich. Ich wusste nicht, dass der Personalausweis nicht genügt und man dafür einen Pass braucht. Letztendlich bin ich dann doch zu einer Filialbank gegangen.

Mittlerweile haben Sie ja mit einem Internship in der Tierklinik Ismaning begonnen, Frau Zacharaki.
Georgiana Zacharaki: Das hat man mir angeboten, als ich endlich meine deutsche Approbation hatte. Darüber bin ich sehr froh. Doch auch im Rückblick muss ich sagen, dass die Monate, in der ich als Tierarzthelferin eingesetzt war, nur Vorteile für mich gebracht haben. Ich hatte die Chance, in der Tiermedizin zu arbeiten, konnte mein Deutsch üben und die lateinischen Fachbegriffe lernen. Ich bin also gut vorbereitet in Deutschland in den Beruf gestartet.

War es für Sie schwer, sich einzugewöhnen, Frau Duma?
Alexandra Maria Duma: Eigentlich nicht. Die Tierklinik Ismaning ist ja sehr organisiert und kümmert sich um ihre Leute. In der Einarbeitungszeit hatte ich sogar einen eigenen Paten, der mich betreut hat. So konnte ich ohne großen Druck Arbeitsabläufe, Computerprogramme und Ansprechpartner kennenlernen. Außerdem bin ich nicht die einzige Nicht-Deutsche. Wir haben Kollegen aus Russland, Griechenland, USA, Italien und Japan. Generell empfinde ich München als sehr international und ausländerfreundlich.

Ihr Tipp für andere Berufseinsteiger aus dem Ausland?
Alexandra Maria Duma:
Eine gehörige Portion Ehrgeiz sollte man schon mitbringen, um vor allem sprachliche Defizite schnell auszugleichen. Ich kann jedem Bewerber nur raten, sich – anders als ich – Deutsch-Grundkenntnisse schon zu Hause anzueignen. Weil mein Freund Deutscher ist, lerne ich allerdings jetzt sehr schnell.

Georgiana Zacharaki: Bei uns lernt man durch die vielen Fachärzte und Krankheitsbilder in kurzer Zeit sehr viel, aber man muss Eigeninitiative zeigen und darf sich nicht scheuen, Fragen zu stellen. Auch sollte man stressresistent sein. Der Umgang mit Lebewesen ist einfach anstrengend. Allerdings arbeiten wir nie an unserer Leistungsgrenze. Die Klinikleitung achtet sehr darauf, dass wir unsere Ausgleichs- und Urlaubstage nehmen. Dabei ist sie äußerst flexibel und kommt uns sehr entgegen. Generell empfinde ich den Umgang mit dem Personal als sehr freundlich.

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