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Kaum hatte Baily sein neues Zuhause bezogen, mussten sich seine neuen Besitzer schon Sorgen um ihn machen. Apathie, epileptische Krampfanfälle und andere neurologische Störungen machten dem kleinen Chihuahua zu schaffen, außerdem sonderte er übermäßig Speichel ab, erbrach sich immer wieder und trank sehr viel. Symptome, Alter und Vorgeschichte des Tieres legten den Verdacht auf einen Lebenshunt nahe (siehe auch unter Innere Medizin: Lebershunts). Dabei handelt es sich um eine Gefäßfehlbildung, über die das Blut aus dem Verdauungstrakt am Lebergewebe vorbei direkt zum Herzen strömt. Weil das Blut, bevor es in den Kreislauf gepumpt wird, nicht in der Leber verstoffwechselt und gereinigt wird, zirkulieren die Gift- und Abfallstoffe im ganzen Körper. Zwei dieser Toxine, nämlich Gallensäuren und Ammoniak, verursachen die Hauptprobleme. Ammoniaktests, wie wir sie durchführen, eignen sich daher gut zur Diagnose von Lebershunts.

Die 3D-Angiographie ermöglicht eine vollkommen neue Darstellung von Blutgefäßen.

Bei etwa 50 Prozent der betroffenen Tiere bekommt man die klinischen Symptome konservativ in den Griff: mit spezieller Diät und medikamentöser Therapie. Bei sehr großen Shunts, wie Baily einen hatte, verspricht auf lange Sicht nur eine Bauch-OP Heilung, bei der das krankhafte Gefäß geschlossen wird. Im Fall des kleinen Rüden übernahm Klinikchef Dr. Klaus Zahn den Eingriff selbst. Um den Shunt exakt lokalisieren zu können, fertigte der Chirurg eine 3D-Angiographie von der Leber an. Dabei wird mittels eines Kontrastmittels das Gefäßsystem des Organs detailgenau abgebildet. Mit diesen Bildern vor Augen konnte Dr. Zahn das fehlgebildete Gefäß schnell finden und vorsichtig ein Zellophan-Bändchen herumlegen. Dieser Ring führt in den nächsten Wochen zu einer Bindegewebsreaktion und damit zu einer Vernarbung des Shunts. Die OP-Methode hat den Vorteil, dass sich das fehlgebildete Gefäß allmählich verschließt und Bailys Leber sich langsam an den zunehmenden Blutdurchfluss gewöhnen kann. Dennoch besteht in der postoperativen Phase die Gefahr eines Schocks. Daher musste Baily noch einige Tage intensivmedizinisch betreut werden, bevor wir ihn entlassen konnten. In der Regel erholt sich die Leber innerhalb von zwei bis vier Monaten.

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