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Als der kleine Nuri bei uns vorstellig wurde, stand sein Leben auf Messers Schneide. Der Sheltie war schon ganz apathisch, er befand sich in Seitenlage, litt unter hochgradiger Blutarmut und hatte Untertemperatur. Alles deutete auf eine Blutvergiftung hin. Zwei Tage zuvor hatte ein großer Jagdhund den nur 9 Kilo schweren Vierbeiner angefallen. Der Haustierarzt hatte danach nur kleine Einbisse entdeckt, die Wunde versorgt und dem Tier Antibiose gegeben. Doch zwei Tage später war Nuri kollabiert. Unsere Ärztin im Notdienst, Dr. Vera Morbach, war sofort alarmiert. „Bisswunden sind tückisch, denn ihr wahres Ausmaß ist äußerlich oft nicht zu erkennen. Gerade Bisse eines großen Hundes können bei kleinen Artgenossen schwerste Verletzungen an Brust, Bauch und Wirbelsäule hervorrufen.“ So war es auch in Nuris Fall: Erst im Röntgen und Ultraschall konnten unsere Ärzte die Ursache für den Kollaps erkennen: Die Bauchwand war zerrissen, und durch die Bruchpforte hatten sich Eingeweideteile aus der Bauchhöhle unter die Haut verlagert. Doch das Tier war nicht narkosefähig. „Wir konnten zunächst nur den Schock behandeln“, sagt Vera Morbach. Unter anderem erhielt der Sheltie zwei Bluttransfusionen. Am Folgetag war der Kleine so weit stabilisiert, dass Chefchirurg Dr. Klaus Zahn den operativen Eingriff wagte. Dabei zeigte sich, dass Nuris linke Niere aus dem Nierenlager herausgerissen und völlig zerquetscht war. Sie musste entfernt werden. Anschließend wurde das infizierte Wundgebiet mit antiseptischer Spüllösung gesäubert, die Bauchdecke wieder verschlossen und Drainagen zum Abfluss des Wundsekrets gelegt. Bereits am Folgetag hatte sich Nuris Zustand deutlich gebessert, und er nahm wieder Futter in kleinen Mengen zu sich. Neun Tage nach seiner Einlieferung konnte er bei gutem Allgemeinbefinden entlassen werden.

Sheltie Nuri lebt heute mit einer Niere.
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