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Dr. Sarah Kany ist eine unserer erfahrensten Tierärztinnen, aber einen Notdienst wie diesen hatte sie zuvor noch nie erlebt: „Zuerst behandelten wir einen Hund mit gebrochener Kniescheibe, dann brauchte eine Katze mit gebrochenem Kiefer unsere Hilfe. Als wir beide Eingriffe abgeschlossen hatten und kurz durchatmeten, kam Hugo.“ Der weiße Chihuahua war von einem größeren Hund am Brustkorb gepackt und geschüttelt worden. Von außen sahen seine Verletzungen bis auf zwei kleinere Löcher in der Haut, die von dem Biss rührten, nicht schlimm aus. Allerdings deutete ein pfeifendes Geräusch beim Atmen darauf hin, dass der Brustkorb perforiert und infolge dessen die Lunge kollabiert war. Im OP öffnete Dr. Kany den Brustkorb des Tieres, suchte die Löcher unter der Haut und schloss sie – doch dann setzte der Pulsschlag des Hundes aus. Die Pupillen wurden starr, Hugos Schleimhäute liefen blau an. Offensichtlich hatte der Hund aufgrund des Schocks durch die Bissattacke und die Belastungen der OP einen Kreislaufstillstand erlitten. „Für Hugo sah es schlecht aus“, erinnert sich Dr. Kany. Aber den kleinen Chihuahua so enifach sterben lassen – dies brachte sie nicht übers Herz. „Wir wollten nichts unversucht lassen, deswegen injizierte ich Hugo Adrenalin direkt ins Herz und massierte das Organ bei geöffnetem Brustkorb“, berichtet Dr. Kany. Ein außergewöhnliches Vorgehen – doch die akute Notsituation ließ ihr keine andere Wahl. Unterstützung erhielt Dr. Kany  von unserer Kardiologin Nadine Kasüske, von Tierarzt Simon Gloning und unserer Praxishelferin Stefanie Winter. „Endlich begann das Herz wieder zu schlagen. Das OP-Team schloss den Brustkorb, und nach einiger Zeit begann der Hund, ohne Unterstützung durch Geräte zu atmen. „Wir rechneten trotzdem nicht damit, dass Hugo die darauf folgende Nacht überleben würde“, sagt Dr. Kany. „Auch seinen Besitzer machten wir auf das Schlimmste gefasst.“ Aber Hugo dachte nicht ans Sterben: Schon am nächsten Tag wirkte er den Umständen entsprechend munter. Noch hing freilich ein Schlauch aus seinem Brustkorb, mit dessen Hilfe Wundsekret abgesaugt wurde. Nach einer Woche konnten ihn die Tierärzte nach Hause entlassen. Bis auf die äußerlich sichtbaren Narben ist ihm heute nicht mehr anzumerken, dass sein Leben an jenem Wochenende am seidenen Faden hing. „Hugo werde ich mein Leben lang nicht vergessen“, ist sich Dr. Sarah Kany sicher.

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