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Über Rohfutter können sich Hund und Halter infizieren. Foto: fotolia | manushot

„Fertigfutter fördert Allergien.“ „Schlachtabfälle sind minderwertig.“ „Rohkost ist am gesündesten.“ Die Ernährung von Hund und Katze kennt viele Mythen. Doch nur selten sind die Aussagen hinreichend durch Fakten oder wissenschaftliche Studien gestützt. Oft verhindern Halbwahrheiten sogar, dass die Tiere bedarfsgerecht und gesund gefüttert werden. Mit den häufigsten Vorurteilen wollen wir an dieser Stelle aufräumen.

Mythos: Selbstgemachtes Futter ist am besten

  • Auch unsere Haustiere brauchen eine ausgewogene Ernährung. Doch den richtigen Zutaten- und damit Nährstoffmix zu finden, ist nicht leicht. Wer die Futterrationen für seinen Vierbeiner selbst zubereitet, sollte sich daher ausführlich mit Tierernährung und Futtermittelkunde beschäftigen. Oft kennen Halter den Bedarf ihrer Haustiere nicht einmal. Wie viele Studien belegen, sind hausgemachte Tiermahlzeiten ernährungsphysiologisch nicht ausgewogen. In einer 2013 veröffentlichten Studie etwa haben US-Wissenschaftler 200 Hundefutter-Rezepte zum Nachkochen analysiert. Ergebnis: 95 Prozent verfehlten bei mindestens einem lebenswichtigen Nährstoff die Ernährungsvorgaben. Das kann vor allem für Welpen im Wachstum gefährlich sein.

Mythos: Rohfütterung ist unbedenklich

  • Wenn Tierhalter in der Küche und beim Futterkauf nicht penibel auf Hygiene und Sauberkeit achten, besteht die Gefahr, dass sie sich und ihr Tier über Rohfutter mit Parasiten und pathogenen Keimen infizieren. Das haben Untersuchungen wiederholt belegt. Auch haben einige Studien in Gefrierfleisch und Fertigbarf-Futter, wie es oft in Onlineshops angeboten wird, einen ungewöhnlich hohen Keimgehalt nachgewiesen. Nicht selten wurden dabei auch multiresistente Salmonellen entdeckt. Gesunde Hunde leiden selbst zwar selten unter einem Salmonellenbefall, aber sie können die Bakterien durch ihre Ausscheidungen auf den Menschen übertragen. Wobei eine Ansteckung vor allem für Säuglinge und alte Menschen gefährlich sein kann.

Mythos: Schlachtabfälle sind minderwertig

  • Schlachtabfälle im Fertigfutter sind genauso unbedenklich wie Muskelfleisch. Foto: fotolia | dima_pics

    Fast jedes Fertigfutter deklariert unter Zutaten auch: „tierische Nebenerzeugnisse“. Unter den Sammelbegriff fallen laut Futtermittelrecht alle Teile des Schlachttieres, die nicht für die Lebensmittelherstellung verwendet werden. In erster Linie sind das Innereien wie Leber, Nieren, Herz, Lunge, Zunge, Euter und Kutteln, aber auch Blut, Klauen, Knochen und Haut. Bei einem Schlachtschwein können die Nebenprodukte sogar bis zu 42 Prozent ausmachen. Rohstoffe, die wegen ihres manchmal hohen Nährwertes oder auch Geschmacks viel zu schade für die Tierkörperverwertungsanlage sind. Wissenschaftliche Studien belegen zum Beispiel den ernährungsphysiologischen Wert und die gute Verdaulichkeit von Innereien.

Mythos: Schlachtabfälle machen krank

  • Tierische Nebenerzeugnisse sind gesundheitlich genauso unbedenklich wie jedes Muskelfleisch. Schließlich wurden die Schlachttiere vom Amtstierarzt als zugelassen für den menschlichen Verzehr beurteilt. Laut Gesetzgeber dürfen auch nur lebensmitteltaugliche Rohstoffe zu Tierfutter verarbeitet werden. Kranke oder verendete Tiere dürfen nicht verarbeitet werden.

Mythos: Getreide verursacht Allergien

  • Getreide wird in der Tierernährung für viele Krankheiten und Leiden verantwortlich gemacht. Unter anderem soll es Allergien auslösen. Das stimmt in zweifacher Hinsicht nicht: Zum einen gibt keine Allergie gegen Getreide, sondern höchstens eine gegen die Eiweiße einzelner Getreidearten. Wobei in diesem Zusammenhang gerne Gluten, sprich Weizeneiweiß, genannt wird. Allerdings ist beim Hund keine Überempfindlichkeit gegen Gluten bekannt; es ist nur ein 35 Jahre alter Fall eines Irish Setters aktenkundig.

Zum zweiten ist die Wahrscheinlichkeit, eine Allergie gegen ein Getreideeiweiß zu entwickeln, nicht größer, als irgendwann auf ein anderes pflanzliches oder tierisches Protein allergisch zu reagieren. Denn Allergien sind nicht angeboren, sondern entwickeln sich allmählich durch wiederholten Kontakt mit den allergieauslösenden Substanzen. Viele Tiere werden bereits im Welpenalter sensibilisiert. Bekommt also der Vierbeiner immer viel von einer Proteinquelle zu fressen, kann im Laufe der Jahre sein Immunsystem auf dieses Eiweiß reagieren. Die häufigsten Allergieauslöser beim Hund sind Milch-, Rinder- und Hühnerproteine.

Mythos: Weizen ist nur ein Füllstoff

  • Immer wieder wird Getreide als wertloser Füllstoff verteufelt. Dabei enthält Weizen viele wertvolle Nährstoffe, Vitamine und Spurenelemente, die der Hundekörper braucht: gut verdauliches Eiweiß, ungesättigte Fettsäuren, Vitamine, Mineralien und Ballaststoffe.

Mythos: Getreide enthält zu viele Kohlenhydrate

  • Es stimmt, dass Getreidearten wie Weizen oder Reis hauptsächlich aus Kohlenhydraten bestehen. Diese sind wichtige Energielieferanten und in Form von Stärke gespeichert. Doch der Verzicht auf Getreide bedeutet nicht unbedingt Verzicht auf Kohlenhydrate. Denn viele getreidefreie Hundefutter enthalten Zutaten mit einem ebenfalls sehr hohen oder gar höheren Stärkegehalt: etwa Kartoffeln, Süßkartoffeln oder Tapioka. Oft nimmt das Tier dabei sogar größere Mengen Kohlenhydrate zu sich als mit getreidehaltigem Futter.

Mythos: Weizen verursacht Verdauungsprobleme

  • Gesunde Hunde vertragen Weizen, vor allem in gekochter Form. Foto: fotolia | okolaa

    Hunde sind keine Pflanzenfresser, argumentieren die Befürworter getreidefreier Nahrung. Dabei waren Hunde noch nie strenge Fleischfresser. Auch ihre Vorfahren, die Wölfe, haben ihren Speiseplan regelmäßig mit pflanzlicher Kost ergänzt. Grundsätzlich vertragen gesunde Hunde daher Weizen. Wenn die Stärke zuvor aufgeschlossen wurde (z.B. in weich gekochten Nudeln, extrudiertem Futter), kann der Hundedarm die Kohlenhydrate sogar besonders gut verwerten. Diese Verdaulichkeit zeichnet die Qualität des Futters aus.

Wenn Sie mehr über die richtige und gesunde Ernährung Ihrer Lieblinge wissen wollen, wenden Sie sich bitte an unsere Tierernährungsberaterin.

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