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Gräser und Kräuter sind essentiell für Kaninchen. © fotolia/kelifamily

Wer seine Kaninchen artgerecht ernähren möchte, sollte einen Blick auf ihre anatomischen Eigenheiten werfen.
Kaninchen sind Pflanzenfresser und haben anders als Hund und Katze einen so genannten Stopfmagen. Dieser hat ein relativ großes Fassungsvermögen, ist aber sehr dünnwandig und wenig muskulös. Der Nahrungsbrei wird daher nicht aktiv durch Muskelkontraktionen vom Magen in den Darm geschoben. Die Verdauung kommt erst in Schwung, wenn eine neue nachfolgende Mahlzeit den „alten“ angedauten Mageninhalt vorwärts drückt. Das Tier ist also auf stete Futterzufuhr angewiesen. Dabei sollte die Nahrung sehr faserreich sein. Denn auch der Kaninchen-Darm weist nur geringe Eigenbewegung auf und ist mit 3,5 Metern vergleichsweise lang.

Weil sich ihr Magen nur Richtung Darm entleeren kann, können Kaninchen nicht erbrechen. Daher müssen sie zu Narkosen auch nicht nüchtern sein, denn sie können nicht an Erbrochenem ersticken.

Kaninchen-Verdauung: Rohfaser ist wichtig

Um verdauen zu können, muss das Tier also ständig Futter zur Verfügung haben. Üblicherweise nimmt es über den Tag verteilt bis zu 80 kleine Portionen zu sich. So wird sein Magen-Darm-Trakt gleichmäßig belastet und Verdauungsstörungen vorgebeugt. Am gesündesten für die Vierbeiner ist frisches Wiesengrün mit Wildblumen, Gräsern und Kräutern. Als natürliche Futterquelle von Wildkaninchen enthält es alle Nährstoffe, die die Tiere zum Leben brauchen. Doch weil Heimtiere selten dauerhaft Zugang zu einer richtigen Kräuterwiese haben, muss man bei Hauskaninchen ein paar Fütterungsregeln beachten.

Die wichtigsten Nahrungsmittel für Hauskaninchen sind Heu, Gräser und Kräuter. Als Grundnahrungsmittel sollte immer ausreichend qualitativ hochwertiges Heu oder Stroh (Raufutter) zur Verfügung stehen. Denn der hohe Rohfasergehalt unterstützt eine gesunde Verdauung.

Heu und kleine Äste sind wichtig für den Zahnabrieb. © fotolia | Vera Kuttelvaserova

Auch für den Zahnabrieb ist eine faserreiche Kost wichtig. Weil Kaninchenzähne kontinuierlich wachsen (mehr als einen Zentimeter pro Monat), müssen sie ständig Futter zermahlen. Nur so wird genügend Zahnsubstanz abgeschliffen. Daher kauen Kaninchen mit 120 Kaubewegungen pro Minute sehr intensiv. Werden die Zähne zu lang, kann das Tier nicht mehr fressen und verhungert. Daher muss man Hauskaninchen im Gehege neben Raufutter auch kleine Äste anbieten. Am besten sind Zweige von Haselnuss- und Kernobstbäumen, Hainbuche, Linde, Weide oder Ahorn. Kalksteine oder Sepiaschalen eignen sich wegen ihres hohen Kalziumgehalts nicht.

Neben Heu und frischem Wasser gehört Frischfutter zu einer artgerechten Kaninchenernährung. Kaninchen, die frisches Gras, Klee oder Blattsalate nicht gewöhnt sind, müssen allerdings erst langsam an das neue Futter herangeführt werden. Es besteht die Gefahr von Magenblähungen. Doch nach der Futterumstellung kann man Grünfutter sehr großzügig anbieten.

Frischgemüse sollten Kaninchen täglich erhalten

Grundsätzlich geeignet ist auch anderes Frischfutter mit hohem Wassergehalt. Dazu gehören Gemüse (Kohl, Karotten, Kohlrabiblätter, Spinat, gelber und roter Paprika, Brokkoli, Fenchel, Sellerie, Chicoree, Blattsalate), Küchenkräuter und Obstsorten wie Apfel, Birne und Weintrauben.

Gemüse sollte täglich, Obst kann hin und wieder als Futterbelohnung gegeben werden. Wer will, kann das Grünfutter/Gemüse täglich durch kleine Mengen getrocknete oder frische Kräuter ergänzen. Sie enthalten Vitamine und Mineralien und sind vor allem im Winter ein sinnvolles Beifutter.

Getrocknetes Obst und Gemüse sollte nicht gefüttert werden, da dies stark im Magen aufquillt und zu einer Magenüberladung führen kann. Das Fressen von Blinddarmkot ist natürlich, die Kaninchen gleichen damit bis zu einem gewissen Grad eine unausgewogene Ernährung aus. Je nach Rasse produziert und verzehrt ein Kaninchen 20 bis 50 g Blinddarmkot täglich.

Alleinfuttermittel bzw. Kraftfutter sollte man Kaninchen, wenn überhaupt, nur in kleinen Mengen anbieten. Denn die Tiere picken gerne nur die schmackhaften Komponenten heraus. Im Winter sollte man lieber Saaten, Sämereien und Kernen zufüttern (1 Eßlöffel pro Tier). Auch mit Snacks sollte man sparsam umgehen.

Der Text wurde u.a. mit Informationen des Fachverlages Elsevier GmbH erstellt.