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Boxer sind anfällig für Pankreatitis. © fotolia / elsahoffmann

Entzündungen der Bauchspeichel-
drüse, in der Medizin „Pankreas“ genannt, treten bei Hund und Katze so häufig auf, dass wir manchmal mehrere Patienten gleichzeitig auf der Station versorgen müssen. Die Krankheit, die akut und chronisch verlaufen kann, ist äußerst ernst zu nehmen und muss meist stationär behandelt werden. Abgesehen davon, dass die Tiere unter starken Schmerzen leiden, hat das Pankreas, das im Oberbauch zwischen Magen und Dünndarm liegt, u. a. zwei lebenswichtige Aufgaben im Körper. Das Organ produziert das Hormon Insulin, das den Blutzuckerspiegel reguliert, und die Enzyme für die Fett-, Eiweiß- und Kohlenhydratverdauung. Diese werden als Sekret über den Ausführungsgang direkt in den Darm abgegeben.

Bei mildem Verlauf kann eine akute Pankreatitis wieder ausheilen, bei der chronischen Form nehmen die Organschäden im Laufe der Zeit zu. In schweren Fällen kann die Entzündung sogar mit Organversagen tödlich enden.

Eine Pankreatitis bleibt wegen der unspezifischen Symptome häufig unentdeckt. © fotolia / dambuster

Ursachen

Bei Katzen geht die Entzündung vielfach auf Bakterien zurück, die aus dem Darm über den Drüsengang in das Pankreasgewebe aufsteigen. Manchmal sind auch Verletzungen nach einem Sturz, Medikamente oder Infektionen wie Toxoplasmose oder Herpes schuld.

Beim Hund bleibt der Auslöser oft unklar. Bei empfänglichen Tieren wird die Pankreatitis bereits durch eine einzige fettreiche Mahlzeit provoziert. Auch Übergewicht, bestimmte Medikamente und Diabetes zählen beim Hund zu den Risikofaktoren. Rassedispositionen haben Boxer, Cavalier King Charles Spaniel, Cocker Spaniel, Collies und Yorkshire Terrier.

In jedem Fall kommt es zu einer Selbstverdauung des Organs, das heißt, die aggressiven Verdauungssäfte beginnen nicht erst nach der Einleitung in den Darm zu arbeiten, sondern bereits im Drüsengewebe, das sie langsam zersetzen. Bei schwerem Verlauf greift dieser Prozess auf das umliegende Fettgewebe im Bauchraum und andere Organe über.

Symptome und Diagnose

Hund: Beim Hund macht sich eine Pankreatitis im Allgemeinen durch Erbrechen, Durchfall, Appetitlosigkeit und Lethargie bemerkbar, also durch eher unspezifische Symptome, die auf alle möglichen Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes hinweisen können. Milde Verläufe bleiben häufig unentdeckt.

Unbehandelt entwickelt sich aus einer akuten Pankreatitis eine chronische Form. © fotolia / Artem

Katze: Bei Katzen äußern sich die Entzündungsvorgänge ähnlich allgemein durch Apathie, Gewichtsverlust, Austrocknung und/oder gelbe Schleimhäute. Daher wird die Krankheit auch hier oft nicht erkannt. Das ist fatal: Denn unbehandelt entwickelt sich aus einer akuten Pankreatitis eine chronische Form. Nach aktuellen Studien ist bei zwei Drittel der Katzen-Patienten die Bauchspeicheldrüse bereits chronisch entzündet.

Letztendlich ist die Zuverlässigkeit einer Diagnose abhängig von der Erfahrung des Arztes. Denn der Nachweis einer Pankreatitis ist bei Hund und Katze schwierig. Im Röntgenbild kann man zwar einige andere Erkrankungen ausschließen, erhält aber keine letzte Gewissheit. Auch routinemäßige Blut- und Kottests geben nur bedingt Aufschluss, sie greifen oft erst bei hochgradiger Pankreatitis. Hochspezifische Bluttests, die auf dem Markt sind, eignen sich eher zur Überwachung des Therapieerfolges.

Bei kranken Katzen kann der Ultraschall eine Verdachtsdiagnose untermauern, da der Arzt parallel noch weitere Organe im Bauchraum beurteilen kann. Das ist wichtig, weil bei den Stubentigern die Pankreatitis mit einer Leberentzündung (Hepatitis) und Darmentzündung einhergehen kann. Das Tier leidet dann unter einer so genannten „Triaditis“.

Therapie beim Hund

Hunde mit akuter Pankreatitis sind Intensivpatienten. Sie müssen stationär betreut und engmaschig überwacht werden, da sich ihr Zustand rapide verschlechtern kann. Zentrale Maßnahme ist eine mindestens 24-stündige Infusionstherapie, um den Flüssigkeitsverlust durch Durchfall und Erbrechen auszugleichen. Bei starkem Erbrechen sollte das Tier in dieser Zeit weder Futter noch Wasser erhalten, um dem Pankreas eine Ruhepause zu gönnen. Dadurch wird die Selbstverdauung gemindert. Außerdem geben wir dem Tier starke Schmerzmittel gegen Bauchkrämpfe.

Sobald das Erbrechen und die Schmerzen abgeklungen sind, kann das Tier mit fettarmem Futter angefüttert werden. Das stabilisiert die Darmbarriere, verhindert eine Atrophie der Darmzotten und ist die wichtigste prophylaktische Maßnahme, um einen Rückfall zu verhindern oder zumindest hinauszuzögern.

Wichtig für Tierbesitzer: Ein Hund, der einmal eine Pankreatitis hatte, sollte bis an sein Lebensende eine fettarme Diät erhalten. Denn bereits der Fettgehalt im normalen Hundefutter kann ausreichen, um wieder eine Bauchspeicheldrüsenentzündung hervorzurufen.

Therapie bei der Katze

Auch bei Katzen ist die intravenöse Flüssigkeitszufuhr essentiell. Hauptziel ist, dass das Pankreas ausreichend durchblutet wird und Entzündungsprodukte schneller abtransportiert werden. Katzen sollten, da sie gefährlich schnell abmagern, in jedem Fall zwangsmäßig ernährt werden. Bei akuter Pankreatitis besteht immer auch die Gefahr, dass sie einen dauerhaften Diabetes entwickeln. Dann ist eine Insulintherapie erforderlich.