24 Stunden Notfallbesetzung und OP-Bereitschaft

Hüftimplantate gehören in der Tierklinik Ismaning seit Langem zum chirurgischen Standard. Chefarzt Dr. Klaus Zahn hat die OP bereits an Hunderten von Haustieren durchgeführt. Mit einer Erfolgsquote von über 95 Prozent. Als einer der wenigen Spezialisten in Deutschland verfügt der Orthopäde auch über das nötige Know-how und Fingerspitzengefühl im Umgang mit Mikroimplantaten, das heißt, er kann auch Kleinsthunde und Katzen prothetisch versorgen.

Vor der OP: durch Krankheit zerstörte Hüftgelenke eines Zwergpinschers.

Ein Hüftimplantat ist die einzig sinnvolle Behandlung für eine schmerzhafte Hüftgelenksarthrose mit Hüftausrenkung. Die früher übliche Operation einer „Hängehüfte“ durch Entfernung des Oberschenkelkopfes halten wir für überholt. Bei großen Hunden ist sie keinesfalls zu empfehlen. Eine weitere Methode, die Denervation der Gelenkkapsel, wenden wir nur bei sehr alten Hunden an, da der Schmerz nicht vollständig und nur vorübergehend verschwindet.

Gerade eine beidseitige Hüftarthrose – oft bedingt durch Hüftdysplasie – fällt Haltern lange Zeit nicht auf, weil die Hunde scheinbar ohne Probleme laufen. Ein Arzt erkennt jedoch die Schonhaltung mit Minderbelastung: In der Regel haben die Tiere den Habitus eines Bodybuilders: vorne sehr kräftig und stark bemuskelt, hinten am Becken schlank und nicht selten mit Spinnenbeinen. Die schwach ausgeprägte Muskulatur beider Oberschenkel zeigt an, dass der Hund sehr viel Gewicht mit den Vorderbeinen trägt, um die schmerzenden Hüften zu entlasten.

Ist nur eine Hüfte von Arthroseschmerzen betroffen und wird dauerhaft weniger belastet als die andere, kommt es oft über kurz oder lang zu einer Überlastung im Kniegelenk. Wenn die Hüfte nicht behandelt wird, droht in der Folge ein Kreuzbandriss.

Vorbereitung

Nach zwei OPs: Zwergpinscher mit zementierten Kunsthüften.

Einige Tage bzw. Wochen vor dem Eingriff sollten sich die Besitzer zu Beratung und Voruntersuchung in der Tierklinik anmelden. Bei diesem Termin untersuchen wir neben den Hüftgelenken grundsätzlich auch die anderen Gelenke (ggf. röntgen wir) und testen die Reflexe, um mögliche andere Ursachen für die Beschwerden wie einen Kreuzbandriss oder Bandscheibenprobleme auszuschließen. Bei älteren Hunden (je nach Rasse ab fünf bis acht Jahren) empfehlen wir ein Tumorscreening mit Röntgen des Brustkorbes und Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes, um Leber-, Milz- oder andere Organtumore auszuschließen.

Bei älteren Tieren ist zudem ein komplettes Laborprofil für Organe und Blutzellen und ggf. eine Harnanalyse angezeigt. Bei Hunden aus Südeuropa muss labordiagnostisch geklärt sein, dass die Tiere nicht an speziellen „Tropenkrankheiten“ wie Leishmaniose, Ehrlichiose und Dirofilariose leiden.

Durch die gründliche Voruntersuchung wollen wir mögliche Operationsrisiken und weitere orthopädisch-neurologische Erkrankungen ausschließen, die den Erfolg der Hüft-OP gefährden könnten. So tritt beispielsweise trotz Kunsthüfte keine Besserung ein, wenn das Tier an einem Bein noch unter einem Kreuzbandriss leidet oder wenn die Lahmheit nicht von der schlechten Hüfte verursacht wird, sondern von einem Bandscheibenvorfall.

Am Operationstag

Am Morgen des Operationstages muss das Tier in die Klinik gebracht werden. Es muss nüchtern sein und sollte seit acht bis zwölf Stunden nichts mehr gefressen haben. Etwas Wasser darf es bis zu einer Stunde vorher trinken.

Modell einer zementfreien Titanhüfte. Foto: Kyon

Nach einer kurzen Allgemeinuntersuchung spritzen wir dem Tier ein leichtes Beruhigungsmittel. Manche junge und ungestüme Hunde können dabei kurz winseln. Nach 10 bis 15 Minuten setzt die sedierende Wirkung ein, und das Tier wird auf die OP vorbereitet. Unabhängig davon, ob die Blutwerte bereits Tage oder Wochen zuvor untersucht wurden, machen wir ein aktuelles Blutbild, checken Blutzucker und Nierenwerte.

Dann leiten wir die Inhalationsnarkose ein. Bei dieser schonenden Narkoseart wird das Tier künstlich beatmet und die Einatemluft mit Sauerstoff und Anästhesiegasen angereichert. Über das Mischungsverhältnis können wir die Narkosetiefe exakt steuern.

Um die Hüftgelenke und Oberschenkel zu vermessen, machen wir in der Regel drei Röntgenaufnahmen (Fremdaufnahmen sind wegen der unterschiedlichen Kalibrierung in der Regel nicht geeignet). Dann wird das betroffene Bein vom Becken bis zum Sprunggelenk geschoren, und der Patient auf dem OP-Tisch gelagert, desinfiziert und steril abgedeckt.

Die Operation

Etwa 90 Minuten nach Narkoseeinleitung beginnt der eigentliche Eingriff. Er wird von Chefarzt Dr. Klaus Zahn durchgeführt, dem zwei chirurgische Assistenten und eine Narkosefachkraft zur Seite stehen. Die Anästhesitin kontrolliert während der OP fortwährend die Vitalparameter wie EKG, Blutdruck, Körpertemperatur, CO2-Gehalt in der Ausatemluft, Sauerstoffgehalt des Blutes und Atemvolumen.

Narkoseturm: Während der OP werden permanent die Vitalparameter überwacht.

Während der OP entfernt der Chirurg den arthrotischen Gelenkkopf und fräst die Gelenkpfanne aus. Beide werden durch Metallimplantate ersetzt, und der Prothesenschaft wird im Oberschenkelknochen verankert. Je nach Größe des Tieres dauert der Eingriff etwa zwei Stunden. Bei sehr kleinen Hunden und Katzen brauchen die Chirurgen meist etwas länger, da die Präparation des Schaftes schwieriger ist.

Bei Patienten über 17 kg setzen wir eine zementfreie Titanhüfte ein, wie sie ähnlich auch in der Humanmedizin verwendet wird. Sie muss noch in den Knochen einwachsen, daher wird der Schaft aus Stabilitätsgründen verschraubt. Bei kleineren Tieren werden Pfanne und Schaft mit Knochenzement fixiert, so dass die Hüfte bereits ab dem Implantieren maximal stabil ist. Diese Patienten sind daher schneller wieder voll belastbar.

Weil die Implanate sehr teuer sind – sie machen zwei Drittel der Rechnung aus – kostet eine Hüft-OP etwa 3.700 Euro (zementfreie Titanhüfte von Kyon) bzw. 2.600 Euro (zementierte Kunsthüfte von BioMedtrix für kleine Hunde und Katzen).

Um die Genauigkeit des Eingriffs zu erhöhen, kontrollieren wir die exakte Position der Prothese mit einem Röntgendurchleuchtungsgerät. So können wir das postoperative Komplikationsrisiko der Hüftausrenkung minimieren.

In der Regel verordnen wir unseren frisch operierten Hüftpatienten eine Nacht zur Überwachung auf Station. So verhindern wir, dass ein Tier mit Restmüdigkeit nach Hause entlassen wird und womöglich in „trunkenem“ Zustand ausrutscht und evtl. dabei die Hüfte ausrenkt. Am Folgetag werden die Tiere meist nach einer Nachuntersuchung gegen Mittag oder am frühen Nachmittag entlassen. Antibiotika, Schmerzmittel und einen Nachsorgeplan bekommen die Halter mit nach Hause. In regelmäßigen Intervallen (6 und 12 Wochen, 1 Jahr) wird danach die Integration der Prothese röntgenologisch überprüft. Der strikte Leinenzwang beschränkt sich meist auf nur sechs Wochen.

Komplikationen

Ein Großteil unserer Hüft-Patienten ist bereits nach sechs Wochen wieder voll fit, und es fällt schwer, solche Hunde ruhig zu halten. Dennoch kann es zu Komplikationen kommen, wobei die Ausrenkung der Hüfte am häufigsten vorkommt. Das Risiko dafür liegt laut Literatur bei sieben Prozent, wobei sehr große, schwere und langbeinige Rassen wie Neufundländer eher gefährdet sind als andere Hunde. Tritt diese Komplikation ein, muss der Patient erneut operiert werden, wobei entweder die Pfanne anders eingesetzt oder der Prothesenkopf getauscht werden muss.

Im Patientengut der Tierklinik Ismaning gab es seit 2013 keine Hüftausrenkung nach der Operation.