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Der medizinische Fortschritt lässt auch Hunde immer älter werden. Foto: AdobeStock/K.Thalhofer

Nicht nur die Lebenserwartung der Menschen ist in den vergangenen Jahren gestiegen, sondern auch die ihrer Haustiere. Dies verdanken die Vierbeiner vor allem besseren Lebensbedingungen, der Fütterung, dem medizinischen Fortschritt und der damit verbundenen besseren gesundheitlichen Versorgung. Zum Vergleich: Während 1967 nur 17 Prozent der behandelten Katzen zwischen 10 und 19 Jahre alt waren, waren es 1997 bereits 50 Prozent. Bei den Hunden verhielt es sich ähnlich (1967: 19 Prozent, 1997: 46,5 Prozent). Wie alt ein Hund oder eine Katze werden, hängt im Wesentlichen von der individuellen Gesundheit, der genetischen Veranlagung, der Haltung, dem Geschlecht und der Ernährung ab. Stark übergewichtige Tiere beispielsweise sterben statistisch gesehen bis zu zwei Jahre früher. Auch bei freilaufenden Katzen ist die Lebenserwartung wegen der Gefahren durch den Straßenverkehr verkürzt. Beim Hund hängt die Lebenserwartung außerdem von der Größe ab. Riesenrassen (wie beispielsweise Dogge und Neufundländer) haben somit mit durchschnittlich 7 Jahren eine kürzere Lebenserwartung als kleine Hunde, die etwa durchschnittlich 11 Jahre alt werden.

Wann beginnt das Alter?

Der Alterungsprozess bei Tieren ist stark von Art, Rasse, Geschlecht, Umwelteinflüssen und Krankheiten abhängig, so dass eine einheitliche Definition von Altersgrenzen schwierig ist. Allerdings konnten mit Studien, die die Krankheitsrate im Lebensverlauf untersucht haben, festgestellt werden, dass Hunde in der Regel ab einem Alter von 6 bis 8 Jahren und Katzen ab einem Alter von 11 Jahren als alternde Tiere betrachtet werden können.

Vorsorgeuntersuchungen ab wann?

Ab einem Alter von 6 bis 8 Jahren können bei Hunden und Katzen vermehrt altersbedingte Krankheitserscheinungen und Probleme auftreten. Bei über 30 Prozent aller Katzen kann es sogar mehr als eine Krankheit gleichzeitig sein. Die American Animal Hospital Association empfiehlt daher, schon ab diesem Alter regelmäßig die Senioren-Vorsorgeuntersuchung durchzuführen. Diese sieht jährlich eine klinische Allgemeinuntersuchung vor, die vor allem zur Feststellung von Herzgeräuschen oder auffälligen Tastbefunden im Bauch oder der Lymphknoten sowie zur Beurteilung der Zahngesundheit dient. Außerdem wird ein sogenannter geriatrischer Blutcheck beim Tierarzt nahegelegt, um organische Fehlfunktionen wie beispielsweise Hypo- oder Hyperthyreosen, Leber- oder Nierenerkrankungen, Diabetes, aber auch Elektrolytimbalanzen und Veränderungen des Knochenmarks frühzeitig zu erkennen.

Häufige Erkrankungen bei alten Tieren

Ab 11 Jahre gelten Katzen als alt. Foto: AdobeStock/nicholashan

Gelenkserkrankungen wie Arthrose gehören mit zu den häufigsten Erkrankungen bei alten Tieren, die vor allem aufgrund dauerhaft chronischer Schmerzen die Lebensqualität beeinträchtigen. Eine gezielte Schmerztherapie sowie unterstützende Physiotherapie können die Symptomatik deutlich verbessern.

Zu den häufigsten Todesursachen bei Hunden und Katzen gehören Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die wichtigste Rolle spielt hierbei ein Nachlassen der Herzleistung aufgrund von Herzklappenundichtigkeit. Das Abhören des Herzens ist somit bei jedem Patienten ein wichtiger Bestandteil der tierärztlichen Untersuchung, um etwaige Herzgeräusche festzustellen. Zur genaueren Einteilung der Erkrankung und der medikamentellen Einstellung sind ein Herzultraschall sowie ein EKG unabdingbar.

Auch Tumore zählen mit zu den häufigsten Todesursachen. Hierbei ist es immer wichtig, zwischen einem gutartigen und bösartigen Tumor zu unterscheiden. Der Vorteil der Früherkennung eines bösartigen Tumors ist, dass dieser aufgrund der Größe noch gut zu entfernen ist und möglicherweise noch keine Metastasen gebildet hat. So sollten bei einer festgestellten Umfangsvermehrung zur weiteren Diagnostik eine Feinnadelaspiration sowie zytologische Untersuchung durchgeführt werden. In manchen Fällen kann eine histopathologische Untersuchung von Biopsieproben nötig sein. Nach dem Befund richtet sich dann das weitere Vorgehen (OP, Bestrahlung, Chemotherapie, aber auch Palliativmedizin).

Nierenerkrankungen, Diabetes, Hyperthyreose bei der Katze und Hypothyreose beim Hund treten ebenfalls gehäuft bei älteren Tieren auf. Schilddrüsenprobleme und Diabetes müssen in der Regel medikamentös behandelt werden. Werden in der Blutuntersuchung erhöhte Nierenwerte festgestellt sind bereits 75 Prozent des Nierengewebes unwiderruflich geschädigt. Deshalb sollte man vor allem bei Katzen von Geburt an auf eine gute Wasseraufnahme achten, weil sie die Nierentätigkeit fördert. Dabei kann man z. B. durch Thunfischsaft das Wasser schmackhafter machen oder die Tiere durch einen Trinkbrunnen zum Trinken animieren. Ein Diabetes tritt gehäuft bei adipösen Tieren auf, weshalb die Futtermenge auf das Idealgewicht und den Kalorienbedarf eines jeden Tieres angepasst werden sollte, um einer Fettleibigkeit vorzubeugen.

Was kann der Besitzer tun?

Tiersenioren sollte man genau beobachten, um ihre Probleme dem Tierarzt schildern zu können. Foto: AdobeStock/grafikplusfoto

Auch wenn im Alter die Leistungsfähigkeit abnimmt, sollten nicht alle Veränderungen zwangsläufig als Alterserscheinungen angesehen werden. Wichtig ist, den Vierbeiner im täglichen Zusammenleben genau zu beobachten. Ist der Hund matt oder die Katze zunehmend ruhelos geworden? Hat das Tier deutlich zu- oder abgenommen? Wie ist das Fress- und Trinkverhalten? Gibt es Veränderungen beim Kot- und Urinabsatz? Bestehen Veränderungen im Haarkleid oder der Haut? Der Atem sollte nicht übelriechend sein. Wie steht es um die Belastbarkeit, treten Husten oder Kurzatmigkeit auf? Hat der Hund Probleme beim Aufstehen, springt die Katze noch aufs Fensterbrett? All diese Veränderungen sollte man vom Tierarzt abklären lassen.

Neben den Vorsorgeuntersuchungen sollten Tierbesitzer insbesondere bei älteren Tieren wegen der nachlassenden Abwehrkräfte und der schlechteren Immunantwort an regelmäßige Impfung und Parasitenprophylaxe denken.

Von Internistin Dr. Susanne Sauter

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