24 Stunden Notfallbesetzung und OP-Bereitschaft
„Chocolate“ von André Karwath aka Aka - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 2.5 über Wikimedia Commons

„Chocolate“ von André Karwath aka Aka – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 2.5 über Wikimedia Commons

Hunde, Katzen und Nager sollten generell nicht unbeaufsichtigt menschliche Nahrungsmittel oder anderen Stoffe fressen. Immer wieder kommt es zu akuten Vergiftungen, wenn Tiere nicht-sachgemäßes Futter verzehren. Einige Beispiele haben wir hier für Sie zusammengestellt.

Schokolade

Sie enthält Koffein und das Purinalkaloid Theobromin, das zu Krämpfen, Erbrechen und Herzrhythmusstörungen führen kann. Für kleine Hunde und Katzen mit geringem Körpergewicht sind unter Umständen schon einige wenige Stückchen lebensbedrohlich. Häufig erbrechen sich die Tiere nach dem Genuss von Schokolade sofort heftig; in diesem Fall können sich die Symptome auf Angst und/oder Muskelzittern beschränken. Auch das bedeutet für das Tier allerdings Qualen!

Hat ein Tier Schokolade gefressen, können erste Symptome einer Vergiftung mit Theobromin bis zu zwölf Stunden später auftreten. Sobald der Stoff in die Leber gelangt ist, hemmt Theobromin die sogenannten Adenosinrezeptoren sowie die Phosphodiesterase. Die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin werden ausgeschüttet. Ab 20 Milligramm Theobromin pro Kilogramm Körpergewicht sind bei einem Hund Beeinträchtigungen zu erwarten. Milchschokolade enthält etwa 2,3 Milligramm Theobromin pro Gramm, Bitterschokolade 16 Milligramm, Kakaopulver 28,5 Milligramm.

Tiere, die unbeaufsichtigt ein Stückchen Schokolade verschluckt haben, sollten nicht alleine gelassen werden, damit die Besitzer im Notfall sofort eine Tierarztpraxis aufsuchen können. Bei größeren Mengen raten wir dazu, umgehend in die Sprechstunde zu kommen und im Zweifelsfall die Notfall-Bereitschaft in Anspruch zu nehmen. Je nach Grad der Vergiftung verabreichen wir dem Tier ein mildes Brechmittel und Aktivkohle, Medikamente, die die Symptome lindern und Infusionen, die die Nierentätigkeit unterstützen.

Thunfisch

Er enthält Quecksilber, das in größeren Mengen (ab etwa 100 Gramm Fisch) für Katzen und Hunde schädlich ist.

Gemüse

Zwiebeln, Knoblauch und Schnittlauch sind für Hunde und  Katzen aufgrund der in ihnen enthaltenen Sulfide als Nahrung ungeeignet.  Die Schwefelverbindungen führen zu einer Zerstörung der roten Blutkörperchen (Hämolyse). Bereits geringe Mengen, die das Tier aus Versehen verschluckt, weil sie beispielsweise in menschlichem Essen versteckt gefüttert wurden, können zu Erbrechen, Durchfall, der hämolytischen Anämie (Blutarmut), erhöhter Atem- und Pulsfrequenz und  – unbehandelt – zum Tod führen.

Rosinen, Weintrauben

Immer wieder wurden bei Hunden und Katzen schwere, teils tödliche  Vergiftungen infolge des Genusses von Weintrauben oder Rosinen beobachtet. Bisher ist unklar, welche Inhaltsstoffe dafür verantwortlich sind und warum nicht jedes Tier mit Symptomen wie Erbrechen, Schmerzen, Durchfall, vermindertem Urinabsatz bis zin zum Nierenversagen auf die Früchte reagiert. Eine genetische Disposition scheint ursächlich zu sein. Vorsichtshalber sollten Besitzer ihre Tiere von Weintrauben und Rosinen fernhalten.

Avocado

Einige Arten enhalten Persin, das bei Hunden für Schädigungen des Herzmuskels und einer Entzündung des Gesäuges (Mastitis) verantwortlich gemacht wird. Die betroffenen Tiere fallen durch Husten, Atemnot, erhöhte Pulsfrequenz, Ödeme, Bauchwassersucht (Ascites) und einer Vergrößerung des Herzens auf. Eine Therapie ist nicht möglich, die Tiere sterben in der Regel. Auch für Katzen ist Persin giftig.

Roher Fisch, rohes Schweinefleisch

Wegen der Gefahr einer Infektion unter anderem mit dem Aujestzky-Virus oder mit Salmonellen sollten Tierhalter bei rohem Fleisch genauestens auf die Hygiene achten. Auf jeden Fall muss das Fleisch frisch sein und darf nicht lange im Napf stehen. Von rohem Fisch sollten Besitzer wegen der Gräten, die die Speiseröhre und den Magen-Darm-Trakt verletzen können, absehen.

Knochen

Wir raten davon ab, Hunde mit Knochen zu füttern, da dies erhebliche Beschwerden verursachen und über einen längeren Zeitraum hinweg sogar zum Tod führen kann.

Hunde zerbeißen Knochen gerne und verschlingen sie. Die dabei entstehenden Splitter können im Verdauungstrakt nicht aufgelöst werden, sondern bilden im Darm unter Umständen eine kompakte, feste Masse. Diese Verstopfung (Knochenkoprostase) ist für Hunde äußerst schmerzhaft; die scharfen Kanten der Knochensplitter können den Darm regelrecht aufschlitzen. Die betroffenen Tiere haben große Schwierigkeiten, Kot abzusetzen.

Wird die Rosette am Anus wiederholt  von Splittern verletzt, vernarbt sie, so dass sich der Anus nur noch sehr eingeschränkt öffnen kann. Dies ist nicht operabel; die betroffenen Patienten sind nicht mehr in der Lage, den Darminhalt zu entleeren.

Patienten mit  hochgradiger Koprostase unterziehen wir in Vollnarkose einer Darmspülung. Dabei müssen wir behutsam vorgehen, um den Magen-Darm-Trakt nicht zusätzlich zu verletzen. Bei schweren Fällen muss die Bauchdecke geöffnet werden, um den Darminhalt schonend zu entfernen.

Damit es nicht so weit kommt, sollten Tierbesitzer auf Knochen verzichten oder allenfalls weiche Knochenendstücke vom jungen Kalb verfüttern, deren rotes, spongioses Knochengeflecht Hunde lieben. Lecker und unbedenklich sind natürlich auch Kauknochen aus Büffelhaut.

Pflanzen

Katzen knabbern häufig an Pflanzen im Freien und in der Wohnung herum.  Giftig sind unter anderem Efeu, Dieffenbachie, Weinachtsstern, Christusdorn, Gummibaum, Maiglöckchen, Eibe, verschiedene Kakteen, Amaryllis und Begonien.

Generell sollten Tierhalter deswegen ihre Katzen daran hindern, Blumen oder Grünpflanzen zu fressen. Stattdessen brauchen die Tiere frisches Gras, das beispielsweise in einer flachen Schale gezogen wird und das sie unbedenklich fressen können, um Haare, die sie beim Putzen verschluckt haben und die sich im Magen zusammenballen, wieder hervorwürgen zu können.
Erwachsene Hunde interessieren sich normalerweise nicht für Pflanzen, anders dagegen Hundewelpen. Auch bei ihnen sollten die Besitzer darauf achten, dass sie keine Blumen oder andere Gewächse verschlucken.