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Bei mildem Verlauf genügt eine Infusionstherapie. © fotolia / bmf-foto.de

FLUTD ist der Oberbegriff für verschiedene Erkrankungen des unteren Harntrakts der Katze, also von Blase und Harnröhre, die mit Schwierigkeiten und Schmerzen im Harnabsatz einhergehen. Die Abkürzung setzt sich aus den Anfangsbuchstaben des englischen Krankheitsnamens „Feline Lower Urinary Tract Disease“ zusammen.

Betroffen sind in der Regel reine Wohnungskatzen; Freigänger leiden so gut wie nie an FLUTD. Auch Tiere in Mehrkatzenhaushalten gelten als anfällig. Übergewicht (insbesondere bei kastrierten Katern), Bewegungsmangel, die Fütterung mit (überwiegend oder ausschließlich) Trockenfutter sowie Stress erhöhen das Krankheitsrisiko weiter. Stressfaktoren können dabei ein Umzug sein oder familiäre Veränderungen wie die Ankunft eines Babys oder ein neuer Lebenspartner.

Ursachen

Im Wesentlichen sind drei Auslöser für FLUTD bekannt.

  1. Sehr häufig liegt FLUTD eine sterile Blasenentzündung unbekannter Ursache zugrunde, im Fachjargon idiopathische Zystitis genannt. Tiermediziner vermutet, dass in diesen Krankheitsfällen letztendlich Stress für die Nervenreizungen in der Blasenwand verantwortlich ist. Für Kater können die abgestoßenen Entzündungszellen im Urin lebensgefährlich werden. Denn ihre Harnröhre verengt sich zur Penisspitze hin stark. Ein Pfropf aus Schleimhautpartikeln, der den Harnleiter verstopft, bildet sich da schnell.
  1. Auch Blasengrieß ist oft für schmerzhafte Harnwegsentzündungen verantwortlich. Katzen sind sehr anfällig für die Entwicklung solcher Harnkristalle, deren scharfe Kanten die Blasenwand reizen können. Weil die Tiere als ehemalige Wüstenbewohner (ähnlich wie Kamele) die besondere Fähigkeit besitzen, in den Nieren sher viel Wasser aus dem produzierten Harn wieder zu resorbieren und somit Wasser zu sparen, sind sie auch als Hauskatzen im Allgemeinen trinkfaul. Das heißt: In ihrem hoch konzentrierten Urin fallen Mineralsalze wie typischerweise Struvit oder Calciumoxalat relativ leicht aus. Auch hier besteht für Kater die große Gefahr, dass dieser sandförmige Blasengrieß den Harnabfluss blockiert.
  1. Auch eine bakterielle Blaseninfektion kann FLUTD auslösen, ist aber bei Katzen eher selten.

Symptome

Ein sauberes Katzenklo gehört zur FLUTD-Vorsorge.

Ein sauberes Katzenklo gehört zur FLUTD-Vorsorge. © fotolia / Foto Laupheim

Erkrankte Tiere leiden unter starkem Harndrang und suchen häufig die Katzentoilette auf. Allerdings können sie oft nur tropfenweise Harn absetzen, meist haben sie auch Blut im Urin. Viele Katzen schreien vor Schmerz, wenn sie versuchen, ihre Blase zu entleeren. In schweren Fällen kann es sogar durch Blasengrieß, Entzündungszellen oder einen Krampf zum völligen Verschluss der Harnröhre kommen. Bereits nach wenigen Stunden ist dann die Blase zum Reißen gespannt und füllt den halben Bauchraum aus.

Wenn sich bei fehlendem Harnabsatz die harnpflichtigen Giftstoffe im Körper ansammeln, kommt es auch zu Elektrolytverschiebungen im Blut. Gefährlich sind erhöhte Kaliumwerte, sie können Herzrhythmusstörungen auslösen. Dieser Zustand ist lebensbedrohlich, und das Tier gehört als Notfall in die Tierklinik. Im Spätstadium kann sich der Harnrückstau bis ins Nierengewebe fortsetzen, es besteht die Gefahr akuten Nierenversagens. Unbehandelt stirbt der Patient.

Therapie

Die Behandlung ist abhängig von Ursache und Schwere der Erkrankung. Neigt das Tier z.B. zu Struvitkristallen, kann zum Beispiel spezielles Diätfutter die Bildung neuer Blasensteine verhindern (siehe auch: www.tierklinik-ismaning.de/blasensteine-bei-haustieren).

Liegt ein Harnstau vor, müssen wir dem Tier unter Narkose einen Katheter legen, um die Blase zu entleeren und zu spülen. Dadurch werden Einblutungen sowie die im Harnleiter festsitzenden Entzündungspartikel oder Harnkristalle entfernt. Den Katheter belassen wir so lange in der Harnröhre, bis sich die überdehnte Blasenwand wieder entspannt hat, der Patient versucht, eigenständig Harn abzusetzen, und der Urin makroskopisch unauffällig ist.

Bei milderen Formen von FLUTD genügt eine intravenöse Infusionstherapie, um die Harnwege zu spülen und die Nierenwerte zu normalisieren. Außerdem erhalten die Tiere entzündungshemmende Medikamente. Hat ein Spasmus zur Blockade der Harnröhre geführt, verabreichen wir entsprechende Muskelrelaxantien.

Bei schwereren Verlaufsformen, insbesondere wenn die Penisspitze verengt ist, hilft letztlich nur eine chirurgische Weitung der Harnröhre (eine so genannte Penisplastik), um häufige Rückfälle und damit die Gefahr des Nierenversagens zu verhindern.

Bei einer bakteriellen Infektion helfen Antibiotika.

Vorsorge durch FLUTD-Management

Leider ist die Rezidivgefahr bei FLUTD sehr hoch. Vor allem bei einmal an idiopathischer Blasenentzündung erkrankten Katzen kehrt die Krankheit gerne wieder zurück.

Mehr als auf eine erneute klinische Therapie kommt es hier auf den Katzenhalter und ein entsprechendes FLUTD-Management zu Hause an.

Zur Vorbeugung empfehlen wir folgende Maßnahmen.

  • Steigerung der Trinkmenge: Katzen fressen und trinken nicht gerne am gleichen Platz. Trink- und Futternapf sollten daher nicht nebeneinander stehen, sondern an getrennten Orten. Wobei ein Wassernapf nicht genügt, es sollten mehrere Trinkmöglichkeiten in der Wohnung angeboten werden. Um das Wasser schmackhafter zu machen, kann man es mit Leberwurst, Saft aus der Thunfischdose oder einem Schuss Milch anreichern. Da Katzen gerne fließendes Wasser trinken, raten wir auch zu einem Katzenbrunnen.
  • Fressplatz: In Mehrkatzenhaushalten empfiehlt es sich zudem, getrennte Futterplätze anzubieten. Katzen fressen gerne allein.
  • Futterumstellung: Katzen, die bisher ausschließlich oder vorwiegend Trockenfutter erhalten haben, sollte man auf Nassfutter umstellen. Tipp: Wenn man das neue Futter leicht erwärmt, wird es von den Tieren eher akzeptiert. Außerdem sollte man den Futterwechsel nicht von einem Tag auf den anderen vornehmen, sondern zunächst das neue Futtermittel unter das gewohnte Futter mengen und allmählich das Mischungsverhältnis ändern. Alternativ kann auch das Trockenfutter in Wasser eingeweicht werden.
  • Gewichtsreduktion: Kastrierte Wohnungskater haben oft Übergewicht. Wer viel mit ihnen spielt und auch Klettermöglichkeiten anbietet, regt ihren Bewegungsdrang an. Außerdem kann man die Futtermenge reduzieren oder auf kalorienarmes Futter umstellen, damit sie überflüssige Pfunde verlieren.
  • Hygiene: Idealerweise sollte es pro Katze zwei Katzenklos in der Wohnung geben. Da Katzen sehr reinliche Tiere sind, halten sie lieber Urin zurück, bevor sie eine nicht gereinigte Toilette benutzen. Hat man mehrere Katzen, rechnet man pro Katze ein Klo plus eines zusätzlich, das heißt bei zwei Katzen werden drei Katzenklos gebraucht.
  • Stressoren: Ein Wohnungswechsel, der Auszug einer Bezugsperson, neue Tiere, auch weitere Katzen, oder fremde Mitbewohner im Haushalt bedeuten für eine Katze häufig enormen Stress, obwohl man den Tieren selten etwas anmerkt. Das sollte jedem Halter bewusst sein, wenn er seinem Tier helfen will. Dieser Stress lässt sich abbauen, in dem etwa der frisch eingezogene Mitbewohner das Füttern übernimmt, so gewöhnt sich das Tier allmählich an die neue Situation. Auch wenn Kinder oder weitere Katzen einziehen, ist es wichtig, dem Tier einen sicheren Rückzugsort anzubieten, wo es nicht bedrängt wird.
  • Pheromone: Zum Wohle des Tieres empfiehlt es sich manchmal auch, auf katzentypische Pheromone zurückzugreifen. Diese Duft- und Botenstoffe (erhältlich als Zerstäuber für die Steckdose) sind für den Menschen geruchslos, helfen aber die Aggression von Katzen untereinander zu mindern. Entsprechende Wohlfühl-Pheromone für Katzen gibt es auch für Stresssituationen wie Umzug oder Tierarztbesuch.